Verräterische Sprache

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In diesem Tagen reibt man sich als Beobachter der Kapitalmärkte immer öfter verwundert die Augen. Kommentare der Medien und der Offiziellen tragen zunehmend seltsame Botschaften, die interessanter Wiese aber kaum jemand zu stören scheinen. Der Mainstream / Zeitgeist befindet sich auf einem gefährlichen Weg!

Ein Beispiel gefällig? Heute kann man im Handelsblatt Frühkommentar folgendes Zitat lesen: "Der Euro ist wieder stabil genug geworden - die Gemeinschaftswährung kann eine neue Runde geldpolitischer Schritte vertragen!"

Es geht hier um eine Lockerung (!) der Geldpolitik. Ich habe selten von einer Volskwirtschaft gehört, die eine Lockerung einer Geldpolitik nicht vertragen hätte. Offensichtlich stimmt aber mit dem Euro, besser gesagt dem Euro-Währungsraum, etwas nicht. Dessen Stabilität wird genau genommen nun zum Problem erhoben. Denn es ist eine "erschreckende Stabilität" (!) des Geldwertes, die hier den Verantwortlichen Sorge bereitet.

So kommentiert die Moderatorin der ARD in den gestrigen Tagesthemen die jüngste Aussicht auf noch mehr billiges Geld mit einer Infografik. Darauf stand, dass "die Inflationsrate von 0,7% bekämpft werden soll". Ja, Geldentwertung sollte man bekämpfen. Doch hier geht es nicht um die Geldentwertung. Ein laufende Rate der Geldentwertung von 0,7% ist zu niedrig! Es soll die Stabilität des Geldes bekämpft werden. Was noch vor wenigen Jahren in der Kommunikation undenkbar gewesen wäre, ist nun plötzlich politisch korrekt. Und die öffentlichen Medien klatschen auch noch Beifall, statt die ökonomische Notwendigkeit einer solchen Politik sowie deren Sinnhaftigkeit zu hinterfragen.

Woher kommt die Aufruhr in unserer Notenbank? Schuld ist die zu geringe Kreditvergabe, die den wirtschaftlichen Aufschwung - das vielgepriesene Wachstum - behindere. Wir erinnern uns: vor nur wenigen Jahren stand die Welt am Rande eines Finanzkollaps, weil einfach zu viele Schulden in die Welt gekommen waren. Zu viele wenig sinnhafte Projekte waren initiiert worden, weil man wachsen wollte, und stellten sich nur bedingt als wirtschaftlich tragfähig dar. Die logische Folge, auch von Regulierung und anderen politischen Maßnahmen, ist, dass die Wirtschaftssubjekte erkennen, dass dieser Weg nicht "nachhaltig" ist. Sie fangen an zu sparen und die Verschuldung abzubauen. Niedrige Zinsen der Notenbank wurden auf diesem Weg durchaus als unterstützend wahrgenommen. Warum soll ein Schuldner sich aufgrund niedriger Zinsen mehr verschulden, wenn er stattdessen erkannt hat, dass er sich entschulden muss? Jeder Häuslebauer macht doch derzeit das Gleiche: man nutzt die niedrigen Zinsen bei einer neuen Zinsfestschreibung des eigenen Hauskredites um bei konstanter Rate mehr zu tilgen! Das ist ökonomisch sinnvoll. Doch unsere Oberen in der Notenbank erkennen darin nun ein Problem!

Als Teil eines "ökonomischen Gesundungsprozesses" soll nun das Schuldenmachen wieder forciert werden. Das hört sich in meinen Ohren nach einem wenig sinnvollen Rezept im Jahr 5 nach einer riesigen Verschuldungskrise an - und den meisten Menschen geht es wohl ebenso. Kein Wunder also, dass sich die Wirtschaftssubjekte so einfach nicht wieder auf den alten Pfad der Untugend einschwören lassen. Einzig die Spekulanten, die Hasardeure und die auf kurzfristiges Gewinnstreben an den Finanzmärkten ausgerichteten Akteure wittern wieder ihre Chance und sind offen, mit Kredithebeln mehr "Wachstum" zu erzeugen. Das fatale an der aktuellen Situation ist, dass auch der tugendhafte, konservative Privatanleger ebenso wie beispielsweise eine Pensionskasse durch den immer weiter um sich greifenden Verlust an Anlagealternativen gepaart mit der Notwendigkeit, eine gewisse Verzinsung des eingesetzten Kapitals erzielen zu müssen, von der um sich greifenden Spekulationsmanie irregeführt und letztlich in dieses Spiel hineingelockt werden. Ähnlich der Entwicklung in den späten 90er Jahren sind die Bedingungen für eine ausgeprägte Spekulationsblase also voll gegeben.

Die Risiken an den Finanzmärkten steigen wieder mit atemberaubender Geschwindigkeit. Die Stabilität des Finanzsystems ist in den letzten Monaten nicht, wie die Zinsaufschläge für die Staatsanleihen des Euroraumes suggerieren, gestiegen - nein, sie ist gesunken! Zudem haben wir es mit Notenbanken und politischen Akteueren zu tun, die in historisch zuvor ungekannten Ausmaß mit großen Summen aktiv das Marktgeschehen zu lenken versuchen. Finanzmärkte sind nicht-lineare Systeme, die nicht einfachen Ursache-Wirkungsmechanismen gehorchen. Es steht leider zu befürchten, dass unsere politischen Lenker  "nicht wissen was sie tun". Aber für eine gewisse Zeit sehen sie wie Helden und Gewinner aus.

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