Was den DAX bewegt

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Das Handelsblatt hat in seiner Ausgabe vom Montag, dem 27. Mai 2013, einen doppelseitigen Artikel (Seiten 28 und 29) mit dem Titel „Was den DAX wirklich bewegt" veröffentlicht. Hierin werden die Ergebnisse einer (noch nicht veröffentlichten) Studie dreier Münchner Ökonomen zusammengefasst, die die Wirkung der Veröffentlichung unterschiedlicher Makro-Daten auf den deutschen Leitindex DAX untersucht haben.

Das bemerkenswerte Ergebnis: Nach der Definition der Forscher haben außer dem chinesischen Einkaufsmanagerindex ausschließlich „überraschende" US-Daten (Zinsentscheid, Arbeitsmarkt, ISM-Einkaufsmanagerindex...) eine hohe oder sehr hohe Wirkung auf den Deutschen Aktienindex. Einen mittleren und damit gerade noch nennenswerten Effekt haben nur zwei europäische Ereignisse: der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank und die Publikation der ZEW-Konjunkturerwartungen. Das und die Kommentierung der Studie durch das Handelsblatt lässt den sentix-User und verhaltensorientierten Investor gleich in mehrfacher Weise aufhorchen...

1. Das Ergebnis der ZEW-Konjunkturerwartungen wird ja von einem anderen Indikator, nämlich dem sentix Konjunkturindex bzw., um genau zu sein, den sentix Konjunkturerwartungen der Institutionellen für Deutschland am Anfang eines jeden Monats stets recht genau angezeigt (s. hierzu unsere Studie „sentix Konjunkturindex: More than a first mover"). Insofern dürfte es, wären die Märkte effizient, gar nicht sein, dass die Veröffentlichung der ZEW-Daten noch irgendeine Wirkung auf den deutschen Leitindex haben. Doch so können sich Kenner nach wie vor über das „first mover advantage" des sentix Konjunkturindex freuen!

2. Der deutsche ifo-Index wird von den drei an der Studie beteiligten Forschern nur in die Kategorie der Indikatoren mit „geringer Relevanz für den Deutschen Aktienindex" eingeordnet. Dieses Ergebnis ist zunächst einmal deshalb über jeden Verdacht erhaben, als einer der drei Autoren der Studie selbst am ifo-Institut angestellt und dort sogar für den ifo-Index verantwortlich ist. Und das Ergebnis ist umso faszinierender, als wir regelmäßig (von Anlegern, Journalisten, Freunden und Bekannten) darauf hingewiesen werden, dass die größte und damit auch wichtigste Konjunkturumfrage die des ifo-Instituts sei...

3. Bezüglich des ifo-Index schreibt das Handelsblatt, dass dieser aufgrund vorab publizierter Daten relativ gut prognostizierbar sei – ein Hinweis auf den Schwachpunkt der Umfrage des Münchner Forschungsinstituts: Wegen des großen Stichprobenumfangs ist die Veröffentlichung „des ifo" erst relativ spät im Monat möglich – nämlich erst dann, wenn sentix Konjunkturindex, ZEW-Konjunkturerwartungen und die Schnellschätzung für die Einkaufsmanagerindizes (jeweils für Deutschland) bereits veröffentlicht sind. Damit tragen die (aggregierten) ifo-Daten häufig keine neuen Informationen mehr in sich. Ergo: Schneller ist besser, selbst wenn dann weniger Wirtschaftssubjekte befragt werden – wie beispielsweise bei den Einkaufsmanagerindizes. Der große Vorteil des sentix Konjunkturindex bzw. der sentix-Daten im Allgemeinen ist, dass sich hier beide Vorteile vereinen: Innerhalb von nur zwei Tagen befragen wir jede Woche (!) rund 1.000 private und institutionelle Anleger aus einer Gesamtheit von mehr als 4.000 Investoren.

4. Ein Grund für die in der Studie festgestellte Relevanz des ZEW-Index mag auch darin liegen, dass es sich bei der Umfrage des Mannheimer Instituts – wie beim sentix Konjunkturindex – um Anlegerbefragungen handelt. Denn – so bitter das auch für an Fundamentaldaten orientierte Investoren klingt – relevant für die Marktentwicklungen ist das tatsächliche Verhalten der Marktteilnehmer. Und dieses Verhalten leitet sich aus deren Wahrnehmungen, Einschätzungen und Erwartungen ab. Und dennoch weisen diese Investorenbefragen eine hohe Korrelation zu den (später veröffentlichten) Unternehmensbefragungen auf, was zeigt, dass eine heterogene Investorengruppe über die „Weisheit der Vielen" („Wisdom of the Crowd") verfügen kann.

5. Interessant ist ferner, dass die Autoren der Market Mover-Studie zu dem Ergebnis kommen, dass kein einziger Euroland-Konjunkturindikator den DAX in nennenswerter Weise bewegt. Hierzu wird im Handelsblatt-Artikel angemerkt, dass das vor allem daran liege, dass die allermeisten Euroland-Indikatoren ohnehin Aggregate bereits publizierter nationaler Daten seien. Das stimmt. Es gibt allerdings den sentix Konjunkturindex für Euroland! Und dieser wird als einziger Indikator in den gängigen Konjunkturkalendern für den Euroraum gleichzeitig bei Anlegern in ganz Europa erhoben. Die rund 1.000 Teilnehmern verteilen sich jedoch noch nicht auf alle Euro-Länder entsprechend ihres wirtschaftlichen Gewichts. Kann der sentix Konjunkturindex hier noch Boden gut machen, dann hat er das Zeug dazu, der erste „echte Europäer" unter den Konjunkturindikatoren zu werden!

6. Als Bonbon zum Schluss noch ein Gedanke eines der Autoren der Market Mover-Studie: Er begründet den Einfluss der US-amerikanischen, zum Teil sehr revisionsanfälligen Daten mit der Macht der Gewohnheit. Und weil Gewohnheiten auch das Verhalten der Anleger im 21. Jahrhunderts prägen, bleibt dem sentix Konjunkturindex weiterhin die Rolle des Geheimtipps. Daneben trägt auch die „Regret Aversion" dazu bei, dass sich neue Indikatoren nicht reibungslos als Market Mover etablieren können. Viele Anleger wollen zunächst nicht mit einem neuen Index arbeiten oder gar Geld auf ihn zu setzen, weil sie das Bedauern im Verlustfall scheuen. Und natürlich verhalten sich Investoren vermeintlich clever, wenn sie nur auf jene Indikatoren handeln, von denen sie wissen, dass auch andere darauf handeln. Letztlich ist es unerheblich, auf was das Gros der Marktteilnehmer reagiert. Es muss nur ein Konsens darüber bestehen, welche Indikatoren beachtenswert sind oder nicht. Damit dieser Konsens zustande kommt, muss der entsprechende Index aber zumindest etwas Substanz aufweisen. Dann kann er sich mit der Zeit als Market Mover etablieren. Mit der Zeit? Auch hier laufen Anhänger der Effizienzmarkthypothese grün an, denn in einer effizienten Welt finden Anpassungsprozesse sofort statt. In der echten Welt dauert das. Es sind immer die wenigen echten Innovatoren, die als Erste mit z.B. einem neuen Indikator anfangen zu arbeiten. Im Erfolgsfall gibt es daraufhin Imitatoren. Und je mehr dem Beispiel der ersten Mutigen folgen, desto stärker steigt die Relevanz des Indikators für den Markt. Am Ende stehen die Akzeptanz durch den Mainstream und ein „neuer" Market Mover. Nicht sonderlich effizient im traditionellen Sinne, aber aus sentix-Sicht doch keinesfalls überraschend!

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