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sentix Konjunkturindex

sentix Konjunkturindex

Der sentix Konjunkturindex ist der „first mover" unter den monatlichen Stimmungsindikatoren zur konjunkturellen Entwicklung. Er wird zu Monatsbeginn innerhalb von zwei Tagen unter den bei sentix registrierten Anlegern erhoben und kurz darauf veröffentlicht. Somit ist er stets der erste verfügbare unter den Frühindikatoren wie z.B. den ZEW-Konjunkturerwartungen, dem ifo Geschäftsklima oder dem Economic Sentiment. Dabei weist der sentix Konjunktur-Index in der Regel einen Vorlaufcharakter gegenüber den übrigen Indikatoren auf. Mit seiner Hilfe können die Entwicklungen der anderen Indizes meist sehr gut abgeschätzt werden.

Der sentix Konjunktur-Index ist grundsätzlich ein konjunktureller Frühindikator, mit dem sich die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts eines Landes oder einer Region prognostizieren lässt (Graphik unten links). Darüber hinaus ist er aber auch ein Instrument zum besseren Verständnis der Finanzmärkte. Zur Interpretation der Finanzmarktentwicklungen eignet sich der sentix Konjunktur-Index deshalb besonders gut, weil er die Einschätzungen der (befragten) Anleger widerspiegelt. Er kann damit Hinweise darauf geben, ob das Motiv der Konjunktur zu einem bestimmten Zeitpunkt die Kurse beeinflusst oder nicht. Steigende Aktienkurse z.B. könnten nämlich auch allein Ausdruck übermäßiger Liquidität sein, die sich ein Ventil sucht – oder eben doch eine Folge davon, dass Investoren, also die Marktteilnehmer, in Zukunft mit einer entsprechenden realwirtschaftlichen Dynamik rechnen. Eine solche Einschätzung würde dann ein steigender Konjunktur-Index anzeigen.

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Ermittelt wird der sentix Konjunktur-Index seit 2003 aus einer monatlichen Umfrage unter über 4.000 privaten und institutionellen Anlegern zu deren Einschätzung der konjunkturellen Lage und deren Konjunkturerwartungen (6-Monats-Erwartungen). sentix berechnet zu diesen beiden Teilfragen Indizes und fasst diese außerdem zu einem Gesamtindex zusammen. Befragt werden die Anleger zu vier Regionen und drei Ländern. Der Gesamtindex für Euroland ist dabei der zentrale Index, über den auch regelmäßig und umfassend in den Medien berichtet wird. Er findet sich in den Veröffentlichungskalendern der Nachrichtenagenturen wie Bloomberg oder Thomson Reuters.

Wie man den Indikator nutzt

Der sentix Konjunkturindex ist einerseits ein konjunktureller Frühindikator, mit dessen Hilfe die wirtschaftliche Entwicklung verschiedener Länder und Regionen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, prognostiziert werden kann. Er spiegelt die Wahrnehmung der Anleger zur Konjunktur wider. Deshalb kann der sentix Konjunktur-Index andererseits aber auch zum besseren Verständnis der Entwicklungen an den Finanzmärkten beitragen. Denn er gibt Hinweise darauf, ob das Motiv der Konjunktur zu einem bestimmten Zeitpunkt für die Handlungen der Marktteilnehmer entscheidend und somit kursbestimmend ist oder nicht. Zum Beispiel könnten steigende Aktienkurse auch allein aus übermäßiger Liquidität resultieren – oder aber doch Folge erwarteter realwirtschaftlicher Dynamik sein, die sich dann in einem steigenden sentix Konjunktur-Index ausdrückt. Letzteres dürfte u.a. als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Entwicklung nachhaltiger bzw. weniger risikobehaftet ist als in einem rein liquiditätsgetriebenen Markt.

Wie auch andere sentix-Indikatoren zeigt der sentix Konjunkturindex mittels seiner Tief- bzw. Hochpunkte – in der Regel mit einem Vorlauf – Umkehrpunkte sowohl bei Konjunktur als auch bei Finanzmarkttrends an. Der sentix Konjunkturindex kann damit Ein- und Ausstiegssignale für Märkte geben und als (zusätzliches) Instrument für das Timing von Kapitalmarktanlagen dienen. Zudem gibt er Hinweise darauf, wann Trends (bei Konjunktur oder an den Märkten) intakt sind und diesen gefolgt werden kann. Informationen über die Reife eines Trends liefern zudem die Teilindizes des sentix Konjunkturindex: Vor allem bei den Erwartungen laufen die Entwicklungen der institutionellen Investoren meist denen der Privatanleger voraus: Eine Trendumkehr kündigt sich folglich in der Regel zunächst über die Zeitreihen der Institutionellen an.

Beispiele von Prognoseerfolgen

August 2012: Die Teilindizes der sentix Konjunkturerwartungen für Euroland und für Deutschland drehen nach oben, nachdem EZB-Präsident Draghi den Euro Ende Juli für unumkehrbar erklärt hatte. Der sentix Konjunktur-Index (gesamt) folgt im September. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland schaffen erst im September die Trendwende (Grafik unten links), das mit dem sentix Konjunktur-Index vergleichbare ifo Geschäftsklima sogar erst im November (Grafik unten rechts).

März 2011: Die sentix Konjunkturerwartungen für Euroland und Deutschland fallen spürbar ab (Grafik unten links), der Aktienmarkt folgt aber erst Ende Juli. Für Euroland beginnt ab Mitte 2011 konjunkturell eine erneute Schwächephase, die die Europäische Zentralbank Ende 2011 zu unkonventionellen Maßnahmen (Einführung von 3-Jahres-Tendern) greifen lässt.

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Januar 2009: Die sentix Konjunkturerwartungen für Eurland drehen zum Jahreswechsel 2008/ 2009 in Folge der Ankündigung diverser staatlicher Ausgabenprogramme nach oben, die Aktienmärkte folgen im März, die Konjunktur ab Mitte des Jahres (s. Grafik unten).

Juli 2007: Die sentix Konjunkturerwartungen sacken vor dem Hintergrund der US-Subprime-Krise ab. Der Abwärtstrend hält bis Ende 2008 an. Die Aktienmärkte halten sich aber noch bis Ende 2007 relativ stabil und brechen massiv sogar erst ab September 2008 – nach dem Fall von Lehman Brothers – ein (Grafik unten).

5_skee_es50EuroSTOXX 50 und sentix Konjunkturerwartungen Euroland

Indikatorkonstruktion

Fragestellung zur Lagebeurteilung

Beispiel Umfrage-Fragebogen sentix Konjunkturindex (Lagewerte)Klicken um zu vergrößern

Fragestellung zu den Konjunkturerwartungen

Beispiel Umfrage-Fragebogen sentix Konjunkturindex (Erwartungen)Klicken um zu vergrößern

Formel für die Teilindizes (Lage, Erwartungen)

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Formel für den Gesamtindex

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Deskriptive Statistik

sentix Konjunkturindex, Deskriptive Statistik - Quelle: eigene Berechnungensentix Konjunkturindex, Deskriptive Statistik - Quelle: eigene Berechnungen

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