Das nervt - über Panik und mangelnde Lernfähigkeit

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Nein, in den nachfolgenden Zeilen geht es ausnahmsweise mal nicht um die Euro-Krise und die Unfähigkeit der Top-Entscheider. Naja, ein wenig schon. Aber eigentlich geht es um die Berichterstatter der Finanzmärkte.

Schlägt man den Blätterwald auf oder frönt dem Börsen-Fernsehen, dann fällt derzeit sehr oft das Wort "Panik". Analysten, vermeintliche Sentiment-Experten und sonstige Marktgrößen bekommen derzeit alle die gleiche Frage gestellt: "haben wir Panik?" und "was kommt danach?".

Meist wird die Frage nach der Panik gar nicht als Frage formuliert, sondern als Tatsache quasi festgestellt. "Herr Analyst, wir haben Panik, wie geht es nun weiter?"

Aber haben wir wirklich Panik? Wie stellt man diese fest? Seit letzten Mittwoch lese ich täglich, das wir Panik an den Märkten hätten. Das bezweifelten wir und haben die Folgen im letzten Blogbeitrag bereits "werthaltig" für Sie ausgeführt.

Eine Panik ist eher ein singuläres Ereignis, der "wash-out", die Kapitulation. Nicht ein Ereignis welches sich tagelang hinzieht. Die meisten Journalisten glauben, dass jeder Kursverfall, den sie nicht erwartet haben und der auch von den Mainstream-Analysten nicht vorhergesagt wurde, eine Panik, eine irrationale Übertreibung, sein muss. Welch ein Irrtum!

Schlimm auch, dass diese psychologischen Begrifflichkeiten so undifferenziert verwendet werden und meist dahinter weder eine wirkliche Analyse des psychologischen Zustandes steht, noch eine Theorie, was mit den Ergebnissen anzufangen sei. Wir haben uns bei sentix genau darauf spezialisiert und erheben seit mehr als 10 Jahren Woche für Woche ein sehr differenziertes Stimmungsbild, leiten daraus nachvollziehbare - und oft genug treffsichere - Analysen ab. Wir analysieren nicht im Elfenbeinturm oder für die Galerie - denn wir setzen an den Märkten auch das um, was wir analysieren!

Und unsere Daten von diesem Freitag signalisieren ganz klar: wir haben noch keine Panik! Wir hatten gemäß unseren Daten auch im November 2008 keine Panik, was damals richtig war, denn das endgültige Markttief wurde erst im März 2009 erreicht - just zu einem Zeitpunkt, wo wir tatsächlich Panik messen konnten!

Aber es passt ins Bild. Die Menschen wollen keine Wahrheiten, sie wollen lieber einfache Geschichten und Lösungsvorschläge hören. Deshalb sind auch Analysten, die vor allem schöne Geschichten erzählen, so beliebt. Und vor allem wollen die Menschen in schweren Kapitalmarktzeiten wie diesen nicht die Hoffnung zerstört bekommen, die erlittenen Verluste seien nur temporär und würden sich schnell egalisieren. Genau das ist nämlich der Grund, warum sich manche Berichterstatter in diesen schweren Tagen ausgerechnet dort Rat holen, wo sie ihn am wenigsten finden.

Es ist schon mehr als fragwürdig, dass die Medien ausgerechnet die Analysten und Experten derzeit bevorzugt zu Wort kommen lassen, die den Absturz am wenigsten vorausgesehen haben. Und wenn diese Analysten dann mit psychologischen Begriffen hantieren, könnte das zwar einerseits ein Zeichen der Erkenntnis sein. Wenn aber die vorgeschlagenen Lösungen lauten, einfach noch mehr von dem zu tun, was sich bereits als untauglich erwiesen hat, ist es nicht Weisheit und Erkenntnis, sondern Unfug.

Derzeit lautet demnach so manches Urteil von Analysten: " ich verstehe zwar nicht warum die Kurse fallen - aber das muss Panik sein - es ist jetzt alles so billig - es wird schon wieder - ohne Gewähr". Ein solcher Ratschlag, wenn er denn auch noch mit der vermeintlich vorliegenden Panik sein "Gütesiegel" erhält, ist gefährlich. Er hält die Anleger - wie auch den Analysten selbst - im Zustand der Hoffnung gefangen. Der Verlustbewältigungsprozess wird verzögert, es kommt nicht zur finalen Stufe, der Akzeptanz.

Denn ein echter Erkenntnisprozess zeichnet sich dadurch aus, dass nicht die Kursbewegung auf ein irrationale Preisänderung reduziert wird, sondern erkannt wird, dass wirklich etwas Nachhaltiges und Rationales (!) passiert ist. Nach dieser Erkenntnis kommt meist erst der richtige Schreck - und dann die Panik - und dann die Besserung. Wer jetzt auf die Besserung hofft, ohne das Ausmaß des Problems vollständig erfasst zu haben, befindet sich vielleicht in "Schockstarre" und ist verzweifelt - ist damit aber in der Hoffnung und kognitiven Dissonanz noch gefangen - und hat die Panik noch vor sich.

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