Italien stört die neue Harmonie

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Nach drei Rückgängen in Folge steigt der sentix Euro Break-up Index (EBI) im November von 14,25% auf 15,8%. Das ist nach einem Allzeittief im Vormonat nun immer noch der zweitniedrigste Stand seit Einführung des Index im Juni 2012. Der sentix EBI zeigt, dass derzeit rund jeder sechste Anleger mit dem Austritt mindestens eines Landes aus der Eurozone innerhalb der nächsten zwölf Monate rechnet.

Der Anstieg des sentix EBI ist in der Einzelbetrachtung der Mitgliedsstaaten vor allem auf eine veränderte Einschätzung der Anleger zu Italien, zum sich immer noch in Koalitionsverhandlungen befindlichen Deutschland und zu Griechenland zurückzuführen. Für alle drei Länder steigen die nationalen EBI jeweils um 0,6 Prozentpunkte. Während die EBI für Italien und Deutschland im Gleichschritt jeweils von 1,7% auf 2,3% klettern, nimmt der Index für Griechenland auf deutlich höherem Niveau auf 11,9% zu. Damit bleibt Griechenland das Land, für das die meisten Anleger mit einem Euro-Exit binnen Jahresfrist rechnen.

Auch gibt es einige Länder, deren nationale EBI im November sinken. Doch die Rückgänge sind jeweils nur gering. Bemerkenswert ist hier dennoch die Entwicklung des EBI für Portugal. Dieser geht – gegen den Monatstrend – zum vierten Mal in Folge zurück und notiert nun bei nur noch 1,9% (nach 2,1%). Auch Positives gibt es für Spanien zu vermelden: Für das zweite Land auf der iberischen Halbinsel notiert der EBI erneut auf einem Allzeittief von 0,7%. Für Spanien rechnet zudem nun erstmals kein einziger institutioneller Investor mehr mit einem Euro-Austritt in der nächsten Zeit!

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Vor dem Hintergrund der guten Entwicklung der beiden Peripherieländer Spanien und Portugal fällt der Anstieg des EBI für Italien besonders negativ auf. Gemessen an den EBI erscheinen italienische 10-jährige Staatsanleihen im Vergleich zu spanischen und portugiesischen nun als deutlich zu teuer (Grafik). Dies ist diesen Monat noch offensichtlicher geworden, da die nationalen EBI Spaniens und Portugals nun sogar beide unter dem Italiens liegen – doch rentieren die iberischen Titel jeweils höher als die italienischen. Selbst unter Berücksichtigung von Liquiditätsprämien scheint es sich bei diesem Phänomen zunehmend um ein Missverhältnis zu handeln, das sich zuungunsten Italiens auflösen dürfte.

Überdies stellt sich die Frage, ob hier neue Euroland-Probleme heranwachsen: Die Wahrnehmung der Investoren hatte sich letzten Monat erstmals seit Einführung des sentix EBI verstärkt auf die Probleme Frankreichs gerichtet. Dessen EBI hat im Oktober die Marke von 1% übersprungen und verharrt nun dort. Und im November richtet sich jetzt die Aufmerksamkeit der Anleger auf Italien, das sich im Gegensatz zu Spanien und Portugal auch im letzten Quartal weiterhin in einer Rezession befand. Noch erscheinen diese Entwicklungen unspektakulär, doch sie könnten auch den Auftakt zu einer neuen Runde Euro- bzw. Euroland-Pessimismus bilden. Wie der restliche sentix-Datenkranz zeigt, sinkt nämlich derzeit auch die Grundüberzeugung in die Gemeinschaftswährung spürbar.

 

Erläuterung zur Grafik: Abgetragen sind an der x-Achse die nationalen sentix EBI der Peripherieländer der Eurozone, die jeweils deren Euro-Austrittswahrscheinlichkeit angeben. An der y-Achse finden sich die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen (Stand: 22.11.2013). Es zeigt sich: je höher der nationale sentix EBI eines Peripherielandes, desto höher die Rendite, die Investoren für die Staatsanleihen des betreffenden Landes verlangen. Mit steigendem nationalen EBI nimmt also hier die Risikoprämie zu, die Anleger dafür fordern, dass für ein Land mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit demnächst ein Euro-Exit erwartet wird. Auffällig ist, dass momentan die EBI-Rendite-Kombination Italiens deutlich unter der Trendlinie der übrigen Peripheriestaaten liegt.

 

 

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