Euro-Sorgen nehmen ab

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Der sentix-Euro Break-up-Index (EBI) fällt im April von 41,1% auf 24,4%. Dieser Rückgang folgt auf zwei Monate mit Anstiegen, in denen der Ausgang der italienischen Wahlen sowie die Rettungswirren um Zypern die Euro-Stimmung belastet hatten. Nun ist an diesen Fronten wieder etwas Ruhe eingekehrt. Der jetzige EBI-Wert ist der drittniedrigste seit Einführung des Indikators im Juni 2012, nur im Januar und Februar dieses Jahres hat der EBI niedriger notiert.

Der Wert von 24,4% bedeutet, dass zurzeit rund jeder vierte Befragte mit dem Ausscheiden mindestens eines Landes aus der Eurozone innerhalb der nächsten zwölf Monate rechnet. Seinen vorläufigen Höchststand hatte der EBI mit 73% im Juli 2012 erreicht. An der aktuellen Umfrage, die vom 25.02. bis zum 27.02.2013 durchgeführt wurde, beteiligten sich 959 Anleger.

Der starke Rückgang des EBI hängt mit der Einschätzung der Situation Zyperns zusammen: Während Ende März die Unklarheiten im Zusammenhang mit dem Rettungspaket für das kleine Euroland noch hoch waren, hat dessen Zustandekommen den Anlegern etwas mehr Sicherheit gegeben: Es erwarten nun noch 18,1% der Investoren, dass der Inselstaat binnen Jahresfrist den Euroraum verlässt. Im Vormonat waren es 38,1%. Dennoch bleibt Zypern damit auch im April das Land mit dem höchsten EBI. Es folgt Griechenland, dessen Index nun bei 14,2% liegt.

Zwar gibt es im April insgesamt deutlich weniger Anleger, die mit einem Auseinanderbrechen der Eurozone rechnen, doch für zwei Länder sind die nationalen EBIs gestiegen: für Deutschland (von 2,5% auf 4,0%) und für das wirtschaftlich angeschlagene Slowenien (von 1,6% auf 2,6%). Der deutsche Wert ist dabei der dritthöchste nationale EBI nach denen für Zypern und Griechenland. Offensichtlich hat hier einerseits die harte Haltung der Bundesbank, deren Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht zu diversen EZB-Maßnahmen am Freitag publik wurde, die befragten Investoren beeindruckt. Andererseits dürften die näher rückenden Bundestagswahlen die Anleger für das Thema sensibilisiert haben. Die Euro-Frage könnte zumindest im deutschen Wahlkampf durchaus noch für Turbulenzen sorgen. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass die privaten Anleger, die stärker die Befindlichkeiten des Wählers widerspiegeln, Deutschland derzeit fast doppelt so häufig als Euro-Austrittskandidaten nennen wie die institutionellen.

Von den sonstigen Peripherieländern gibt es im April gute Nachrichten: Die nationalen EBI für Spanien und Portugal sinken jeweils leicht (auf 2,1% bzw 2,4%). Der EBI für Italien gibt vor dem Hintergrund der jüngsten Regierungsfindung sogar spürbar von 6,0% auf 2,7% nach.

Betrachtet man die Renditeaufschläge der Staatsanleihen auf die Renditen von Bundesanleihen („Spreads“), so ist Folgendes auffällig: Trotz ähnlicher EBI-Werte notierten die Spreads portugiesischer Bonds deutlich über denen Italiens und Spaniens (s. Grafik). Das kann nicht allein mit Liquiditätsprämien erklärt werden. Das schlechtere Rating Portugals (unterhalb der Investmentgrade-Schwelle) hemmt viele Anleger, die Anleihen des südlichen Eurolandes zu erwerben. Zieht man die nationalen EBI als Bewertungsmaßstab heran, erscheinen darüber hinaus italienische Staatstitel gegenüber spanischen als relativ teuer.

sentix EBI und Zinsspreads Spanien, Italien und Portugal

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