Gleichstand zwischen Pessimisten und Optimisten

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Der sentix Euro Break-up Index fällt für September abermals kräftig. Dieses Mal sind es zehn Prozentpunkte, um die der Indikator nachgibt. Er steht nun bei 51,9 %. Damit rechnet nur noch etwas mehr als die Hälfte der befragten 897 Anleger mit dem Ausscheiden mindestens eines Landes aus dem Euroraum innerhalb der nächsten zwölf Monate. Die Umfrage fand vom 27.09. bis zum 29.09.2012 statt.

Zwischen der letzten Erhebung Ende August und der aktuellen liegen zwei Ereignisse, die die Skepsis der Investoren in besonderem Maße gemildert haben dürfte: Erstens die Konkretisierung des neuen Wertpapierankaufsprogramms der Europäischen Zentralbank, die EZB-Präsident Draghi auf seiner letzten Pressekonferenz Anfang September vorgenommen hat, und zweitens die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts Mitte letzten Monats, die den Weg für das Inkrafttreten des Europäischen Stabilisierungsmechanismus (ESM) geebnet hat. Letztere war Grundvoraussetzung dafür, dass die Pläne Draghis überhaupt umgesetzt werden können.

Auch außerhalb der Eurozone hat sich im September einiges getan: Die US-Notenbank hat eine weitere Runde quantitativer Lockerung beschlossen, die Bank of Japan wird noch mehr Wertpapiere kaufen, und China, das im Gegensatz zur westlichen Welt noch die Möglichkeiten zur expansiven Fiskalpolitik hat, will über Infrastrukturprojekte der Konjunktur neue Impulse verleihen.

Diese Maßnahmen erwecken den Eindruck, dass über die Grenzen Europas hinaus wieder an einem Strang gezogen wird, was die Belebung der Wirtschaft, wenn nicht sogar die Rettung des Euros angeht. Und sie haben offensichtlich bei den Anlegern Wirkung gezeigt. Denn es ist nicht nur der sentix Euro-Break-up-Index gefallen, auch zeigt sich bei den Detaildaten weniger Schrecken als noch im Sommer. Sogar für Griechenland ist die Wahrscheinlichkeit eines Euro-Austritts aus Sicht der von sentix Befragten erstmals seit Juni auf unter 50 % gesunken, nämlich auf 48,8 % von 59,6 % im Vormonat. Dennoch bleibt Hellas das Sorgenkind der Eurozone. Denn von den 51,9 % der Umfrageteilnehmer, die damit rechnen, dass innerhalb des nächsten Jahres ein Land die Eurozone verlässt, nennen 94,0 % Griechenland als Exit-Kandidaten. Doch auch dieser Wert ist rückläufig: Im August lag er noch bei 96,4 %.

Verschlechtert haben sich im Ländervergleich allein Zypern und Portugal. Für diese beiden Staaten erwartet im September – entgegen dem allgemeinen Trend – ein leicht höherer Anteil an Euro-Pessimisten als noch zuletzt ein Abschied von der Gemeinschaftswährung. Da aber der Prozentsatz der Euro-Pessimisten insgesamt merklihce gefallen ist, sinken auch hier die Austrittswahrscheinlichkeiten auf 13,6 % (von 16,1 %) für Zypern bzw. auf 6,0 % (von 6,9 %) für Portugal. Spaniens Index gibt sogar auf 4,9 % (von 7,0 %) nach.

Bei den Kernländern hatte Finnland im August mit einem starken Indexanstieg überrascht, auch Deutschland war von zahlreichen Investoren als Austrittskandidat gehandelt worden. Angesichts ausgebliebener scharfer Töne der Politik – die im August noch aus Finnland gekommen waren – fällt im September der Index für das Nordland um satte 7 ½ Prozentpunkte auf nur noch 5,2 %. Der deutsche Index sinkt auf 4,1 % von 5,7 %.

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