EBI sinkt trotz weniger Konjunkturoptimismus

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Der sentix Euro Break-up Index (EBI) fällt im Juni zum sechsten Mal in Folge. Er notiert nun bei 8,5% nach 9,0% zuvor. Damit sind die Anleger so optimistisch wie noch nie seit Mitte 2012, was den unveränderten Zusammenhalt des Euros in den nächsten zwölf Monaten betrifft. Doch es geben auch die Konjunkturerwartungen seit einiger Zeit nach. Eine wieder merklich schwächere Wirtschaftsdynamik könnte aber zu erneuten Ängsten hinsichtlich eines Euro-Break-ups führen. Diese Möglichkeit blenden die Anleger derzeit aus.

Der Rückgang des sentix EBI ist dieses Mal einerseits Folge davon, dass die Anleger die Euro-Austrittswahrscheinlichkeiten für die beiden Spezialfälle Griechenland (6,4% nach 6,7%) und Zypern (3,3% nach 3,7%) niedriger bewerten. Andererseits gehen auch für das Kernland Deutschland die Erwartungen hinsichtlich eines Euro-Exits spürbar von 1,7% auf 1,1% zurück. Hier hatten letzten Monat noch die Europawahlen die Aufmerksamkeit der Anleger auf das Euro-Thema gelenkt, nun ist dieser Effekt verpufft.

Die nationalen sentix EBI liegen bis auf die für Griechenland und Zypern alle unter 2% und bewegen sich hier nur noch wenig. Damit lassen sich mögliche künftige Spread-Einengungen zwischen Staatsanleihen der so genannten Peripherieländer und Bundesanleihen kaum noch über schwindende Sorgen um ein Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung erklären. Für Anleger stellt sich nun vielmehr die Frage, wo nach einem endgültigen Abhaken der Krise die Spreads längerfristig liegen sollten – das „Spreadmodell" von vor der Krise hat sich ja jedenfalls nicht bewährt.

Bemerkenswert ist diesen Monat allerdings, dass sich die Differenz zwischen den nationalen EBIs Italiens und Portugals nochmals ausweitet: Während der EBI für Italien gegen den allgemeinen Trend von 1,5% auf 1,8% steigt, sinkt derjenige Portugals leicht auf 0,5%. Damit sehen nach unserer Einschätzung portugiesische Staatsanleihen im Verhältnis zu italienischen Bonds nach wie vor billig aus. Hier zeigen die nationalen sentix EBI die Möglichkeit einer spürbaren Einengung der Renditedifferenzen in der nächsten Zeit durchaus an.

Insgesamt bietet der sentix EBI derzeit ein Bild, das – wie schon in den Vormonaten – kaum noch an Euro-Krise erinnert. Jedoch sinken seit einigen Monaten auch die Konjunkturerwartungen der Anleger (Grafik). Eine spürbar schwächere Konjunktur dürfte aber neue Ängste bezüglich eines Euro-Break-ups aufkommen lassen. Momentan blenden die Anleger u.a. angesichts der Absicht der Politik, den europäischen Stabilitätspakts in Zukunft flexibler zu interpretieren, solche Risiken noch aus. Sollte eine Stabilisierung der Konjunkturerwartungen allerdings demnächst ausbleiben, könnte diese Sorglosigkeit zu einem Belastungsfaktor für die Spreads der Staatsanleihen werden.

20140701_sentix_ebi_konjunkturerwartungen

Anmerkung zur Grafik: Die sentix Konjunkturerwartungen sind hier invertiert dargestellt. Zudem sind die Werte jeweils einen Monat nach vorne gezogen, da auf diese Weise die Erhebungszeiträume von sentix EBI und sentix Konjunkturindex näher beieinander liegen. Der sentix Konjunkturindex für Juli wird z.B. bereits nächste Woche veröffentlicht – nur eine Woche später als der sentix EBI für Juni.


Hintergrund zum Indikator

Der aktuelle Wert des sentix Euro Break-up Index in Höhe von 8,5% bedeutet, dass zurzeit exakt dieser Anteil der befragten Anleger mit dem Ausschei-den mindestens eines Landes aus der Eurozone innerhalb der nächsten zwölf Monate rechnet. Seinen vorläufigen Höchststand hatte der sentix EBI in seiner nun rund zweijährigen Historie mit 73% im Juli 2012 erreicht. Sein Minimum vor Veröffentlichung des aktuellen Wertes stammte mit 9,0% aus dem Vormonat. An der aktuellen Umfrage, die vom 26.06. bis zum 28.06.2014 durchgeführt wurde, beteiligten sich 903 private und institutionelle Anleger.

Der monatlich erscheinende sentix Euro Break-up Risk Index wird seit Juni 2012 jeweils in der vierten Woche eines Monats erhoben und am darauffolgenden Dienstagmorgen veröffentlicht. Die befragten Anleger haben die Möglichkeit, bis zu drei Länder zu nennen, mit deren Euro-Austritt sie innerhalb der nächsten zwölf Monate rechnen.

 

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